Eine Frage der Kontinuität...

"Es ist alles sehr kompliziert". An dieses Zitat eines früheren österreichischen Bundeskanzlers erinnern sich bestimmt noch einige und diese Aussage wurde ihm gerne als persönliche Schwäche ausgelegt, während man heutzutage versucht, in der Öffentlichkeit klar zu zeigen, dass man alles souverän im Griff hat - auch wenn die Fakten dagegen sprechen ...

Aber nicht nur in der hohen Politik, auch in unserer Praxis mit Laborinformationssystemen (LIMS) ist die zunehmende Komplexität zweifellos ein Thema. Ganz besonders bei unserer Hauptzielgruppe, den selbstständigen Analysenlaboratorien (Auftragsanalytik) zum Beispiel im Bereich Umweltschutz oder Lebensmittelkontrolle. Sind hier schon viele Proben mit einer Unzahl verschiedener Parameter (alleine die Gruppe der nachzuweisenden Pestizide ist typischerweise 3-stellig) zu analysieren, kommen noch viele Sonderwünsche der Kunden dazu, beispielsweise ganz spezielle Darstellungen im Bericht, individuelle Schnittstellen oder ungewöhnliche Abrechnungsmodelle. Und zumindest bei wichtigen Kunden kann man diese Wünsche auch nicht so einfach ignorieren, will man weiter im Geschäft bleiben.

Nun muss das LIMS natürlich diese "Sonderwünsche" auch in der Programmlogik berücksichtigen, sonst wäre es in der Praxis keine große Hilfe und früher oder später ein "Ablösekandidat". Dementsprechend werden bei uns (und manchen, aber nicht allen LIMS-Anbietern) diese Änderungen auch Jahre später noch für den Kunden implementiert.

Man darf aber nicht vergessen, dass die vielen Änderungen/Erweiterungen im Lauf der Jahre auch die Anwender vor die Aufgabe stellen, dieses Wissen zu bewahren und auch weiterzugeben. Besonders in letzter Zeit, wo viele Menschen häufig ihren Arbeitsplatz wechseln, besteht damit die Gefahr, dass Wissen einfach verloren geht. Selbst wenn die Änderungen natürlich ausführlich dokumentiert sind, fehlen oft die Hintergründe oder auch der persönliche Zugang des seinerzeitigen Mitarbeiters, sodass einfach die Kontinuität verloren geht und das Labor allgemein das LIMS nicht mehr optimal nützen kann. Der Nachfolger des ausgeschiedenen Mitarbeiters sieht die Problemstellung vielleicht aus einem ganz anderen Blickwinkel und fordert dann weitere Änderungen an, die die Komplexität des Gesamtsystems ohne echte Notwendigkeit weiter erhöhen.

Hier wäre die Geschäftsführung bzw. die IT-Abteilung gefordert, rechtzeitig eine Arbeitsgruppe für die Planung der Weiterentwicklung des LIMS einzusetzen, die auch bei Personalwechsel funktionsfähig bleibt.

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