Die Stunde des Schätzmeisters

Bei den LIMS-Anbietern gibt es - wie natürlich in anderen Branchen - recht unterschiedliche Herangehensweisen, man könnte sogar sagen "Philosophien", wie das eigene Produkt am besten an die doch ziemlich vielfältigen Erfordernisse der Kunden angepasst werden kann und soll. Manche Anbieter von Laborinformationssystemen, besonders die Großen der Branche, stehen auf dem Standpunkt, dass ihr eigenes System ohnehin schon derart umfangreich und vielfältig konfigurierbar ist, dass individuelle Anpassungen nach Kundenwunsch gar kein Thema mehr sein sollten.

Der Kunde kann sich also das System selbst nach Notwendigkeit adaptieren und bei Bedarf eigene Erweiterungen programmieren. Natürlich überfordert das aber den typischen LIMS-Anwender deutlich, diese Aufgabe wird daher häufig von Dritten (LIMS-Berater oder Vertriebspartner) übernommen.

Andere Anbieter hingegen übernehmen die detaillierte Anpassung nach Kundenwunsch selbst, so ist das auch bei uns für unser System "uniLIME" die Regel. Durch schlanke Organisation lässt sich das meist mit viel geringerem Aufwand als bei der zuvor genannten Variante umsetzen und ist daher besonders dann ein Thema, wenn das Labor nicht mit quasi unbeschränktem Budget ausgestattet ist.

Aber ganz gleich, ob die Änderungen pauschal oder nach tatsächlich angefallenen Stunden verrechnet werden, ist es wünschenswert, den Aufwand vorab zumindest ganz grob abzuschätzen. Diese Aufgabe ist leider nicht ganz trivial, man kann nicht wie beispielsweise in vielen anderen Branchen einfach einen Faktor pro Quadratmeter Fliesenboden oder Nutzlast plus Entfernung für Tranportdienste heranziehen. Die Einflussfaktoren in der Entwicklung von LIMS und natürlich auch anderen Softwareprodukten sind kaum quantifizierbar und in der Praxis spielt die Abschätzung der Entwicklungsstunden nach Erfahrungswerten, gewissermaßen "intuitiv", eine große Rolle.

Ein wichtiger Faktor jedoch ist relativ leicht abzuschätzen - nämlich die Frage, an wie vielen Stellen im Programm eine gewünschte Erweiterung Anpassungen im Quellcode erfordern würde. Interessanterweise wird das von Anwendern oft ganz anders vermutet als von uns Entwicklern, die ja die Gesamtstruktur der Software "im Kopf" haben und sich daher meist quasi sofort vorstellen können, ob diese Erweiterung nur wenige Programmzeilen an einer Position benötigt oder aber an vielen verschiedenen Stellen im Quellcode von uniLIME.

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