Damokles lässt grüßen

Wohl jeder kennt die Legende des Höflings Damokles und dem über ihn schwebendem Schwert aus der griechischen Antike, wo das Schwert an die (vielleicht unterschätzten) Gefahren erinnern soll, denen man auch in als vorteilhaft empfundenen Situationen ausgesetzt ist.

Wir mussten jedenfalls bei der Durchsicht der "AVB-IT" (Allgemeine Vertragsbedingungen des Bundes, also der Republik Österreich, für IT-Dienstleistungen) an diese Geschichte denken. Mehrere, eigentlich recht unauffällige Passagen bringen für den potenziellen Auftragnehmer hohe, im Extremfall sogar existenzbedrohende Risiken mit sich - und das unter recht unscharf definierten Eintrittsbedingungen. Und auch wenn dies in der Praxis wohl nur selten tatsächlich angewendet wird, kann man den Vertragspartner schon mit der Drohung gehörig unter Druck setzen und zu Zugeständnissen bringen, zu denen er eigentlich gar nicht verpflichtet wäre.

Filmfans werden sich vielleicht an das legendäre Zitat "Ich werde ihm ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann" des nicht minder legendären Films "Der Pate" von Francis Ford Coppola (1972) erinnern.

In unserem Fall geht es um einen Vertrag zur Wartung und Weiterentwicklung unseres LIMS "uniLIME" und das Risiko sollte - frei nach dem Motto "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt" - zum Glück leicht abwendbar sein. Denn diese Regeln sind ja nur "Defaultwerte" (um im IT-Jargon zu bleiben) und können bei konkreten Verhandlungen noch abgeändert oder gestrichen werden, wenn beide Vertragspartner sich darauf einigen.

Bei offenen Verfahren (salopp "Ausschreibung") hingegen besteht diese Möglichkeit nicht. Wer sich also für das ausgeschriebene Projekt interessiert, muss die Bedingungen akzeptieren oder kann eben kein Angebot legen. Bei schlechter Auftragslage muss man wohl "in den sauren Apfel beißen" und diese Bedingungen akzeptieren.

Im Moment ist die Situation aber ganz anders, wir - und vermutlich auch die meisten unserer Mitbewerber - sind derzeit ohnehin mehr als ausgelastet und würden an eine Angebotslegung unter solchen Bedingungen nicht einmal im Traum denken. Der Auftraggeber würde also entweder gar kein Angebot bekommen oder höchstens das eine oder andere von "Glücksrittern", die das Risiko durch einen sehr hohen Aufschlag zu tragen bereit sind, also für die Republik Österreich sehr teuer würden. Ja, so geht öffentliche Verwaltung ...

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